Ronda

Mensch und Umwelt

Die Alpujarra wurde zum ersten Mal im 10. Jahrhundert erwähnt, längst nach der Invasion der Araber. Ihren Bewohnern wird große Freiheitsliebe, wie man sie Bergvölkern ja oft nachsagt, zugeschrieben, und Aufstände in den Jahren 916 und 918 bestätigen dieses. Nach der Gründung der Stadt Almería wurde diese bald zu einem Zentrum des Seidenexports. Die Alpujarra wurden terrassiert und Maulbeerbäume gepflanzt, um die Seidenraupen zu füttern; neue Siedler, zumeist Berber, erhöhten ständig die Zahl der Menschen in der Alpujarra.

Ihre Freiheitsliebe verloren sie dennoch nicht, so kam es im Jahr 1228 zu einem Aufstand gegen die Almohaden. Nachdem die Nasriden die Herrschaft in Granada übernommen hatten, teilten sie die Alpujarra in tahas genannte Verwaltungsbezirke; jede Gemeinde bekam ein Turm oder ein Kastell, um ihre Bewohner besser unter Kontrolle zu haben.

Die Taha de Pitres: Die Araber haben die Felder bewässert und terrassiert und die Landwirtschaft zur Blüte gebracht. Tour 25 durchwandert diese Dörfer. © Jürgen Paeger

Nachdem Sevilla an die Christen gefallen war, wanderten die hier lebenden Moslems in das Königreich von Granada ein, die Berber siedelten sich, wie sie es seit Jahrhunderten getan hatten, in den Bergen an. Das reichliche Wasser in der Alpujarra erlaubte zusammen mit dem Ausbau der Terrassen und der Bewässerung ein weiteres Anwachsen der Bevölkerung. So entstanden die Dörfer mit nordafrikanischer Struktur und Architektur, die noch heute die Alpujarra prägen.

Die Wirtschaft lebte vor allem vom Seidenhandel, in wohl jedem Dorf gab es Webstühle, die die Fabriken in Granada, Málaga und Almería mit Seidenstoffen versorgten und die Orte zu Wohlstand brachten. Nach der Kapitulation von Granada im Jahr 1492 wurde die Alpujarra Lehen des Maurenkönigs Boabdil, der sich in Andarax niederließ.

Die erste Moriskenrevolte im Jahr 1499 ging von der Alpujarra aus. Der zweite Moriskenaufstand begann zwar im Albaícin in Granada, wurde dann aber im wesentlichen in der Alpujarra ausgetragen. Anführer der Morisken war zunächst Aben Omeyya. Auf christlicher Seite standen ihm der Marques de Mondéjar und der Marques de los Vélez gegenüber, zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die nicht etwa gemeinsam, sondern nur gleichzeitig kämpften. Aber das unwegsame Land und ihre Ortskenntnis kamen zunächst den Morisken zugute. Im nächsten Jahr übernahm bei den Christen Don Juan de Austria, ein Halbbruder des Königs, das Oberkommando, auf der Gegenseite löste Aben Abóo der ermordeten Aben Omeyya ab. Der Krieg wurde auf beiden Seiten sehr grausam geführt, zu einer Entscheidung kam es erst, als Aben Abóo im Jahr 0000 von seinen eigenen Leuten ermordet wurde.

Nach der Ausweisung der verbliebenen Morisken des Königreichs von Granada stellte sich das Problem der Neubesiedelung, vor allem, weil die menschenleere Alpujarra für die Türken und Berber geradezu eine Einladung darstellen mussten, die langersehnte Invasion doch noch durchzuführen. Die neuen Siedler kamen aus Galizien, Asturien, der Meseta und Murcia. Aber die Neusiedler reichten

In den Dörfern der Alpujarra (hier: Ferreirola) kann noch heute die von den Arabern geprägte Dorfstruktur und Architektur gefunden werden.
© Jürgen Paeger

bei weitem nicht, um alle Siedlungen der Mauren zu erhalten. Außerdem kamen die meisten von ihnen aus dem Flachland und verstanden von den Bergen weit weniger als vor ihnen die Berber. Ein Zeuge aus dem 16. Jahrhundert berichtete, daß ein Siedler noch auf einem Land Hunger litt, das 10 Mauren zu Reichtum verholfen hätte. Daher verfielen in der Folge viele der Terrassen, Bewässerungen und Kulturen der Berber. Neu eingeführt wurde dagegen der Getreideanbau, der nicht auf Bewässerung angewiesen war.

Dieser stellt heute den Hauptanteil an der Landwirtschaft, dem Haupterwerbszweig der Alpujarra dar. Dazu kommen Mandeln, Wein und Oliven in den unteren Lagen, Bohnen, Kartoffeln und Mais in den oberen Lagen. Die Kastanien und Walnüsse spielen fast keine Rolle mehr. In Vergleich zu anderen Gebirgen spielt die Viehhaltung eine geringe Rolle, am wichtigsten sind die Schafe, danach kommen Ziegen, Schweine und Kühe. Letztere haben in den letzten Jahren, bedingt durch politische Maßnahmen, zugelegt, während die Schafhaltung zurückgeht, zumal die traditionelle Wanderschäferei schon deshalb zurückgeht, weil die Winterweiden im Campo de Dalías an der Küste heute weitgehend von Frühkulturen bedeckt sind.

Der Industrie kommt kaum Bedeutung zu. In der 2. Hälfte des vorigen und in der 1. Hälfte unseres Jahrhunderts spielten Minen eine gewisse Rolle, etwa der Eisenerzabbau bei Busquistar links des Río Trevélez, Bleiminen in der Sierra de Lújar, Blei- und Fluoritminen in der Sierra de Gádor. Die bekannteste Industrie heute ist die Abfüllung von Mineralwasser in Lanjaron.

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© Jürgen Paeger 2004