Von Retamar nach Cabo de Gata

Eine leichte Tour an der Rückseite eines nahezu endlosen Strandes zwischen Almería und dem Ort Cabo de Gata führt vorbei an Resten historischer Bauwerke durch die typische Vegetation der Dünen und der Ramblas und bietet außerdem Gelegenheit, sowohl Steppen- als auch Wasservögel zu beobachten.

Küstenlandschaft im Golf von Almería
Im Frühjahr ein Blütenmeer: Die Küstenlandschaft zwischen Retamar und Cabo de Gata. Foto: Jürgen Paeger

Anspruch: +  Gehzeit: 4 Std.  Länge: 16 km 

Charakter: Leichte Wanderung an der Rückseite eines Strandes auf ebenem Weg.

Wanderkarte: Blatt 1059-II der Karte IGN 1:25.000.

Einkehrmöglichkeiten: Auf halber Strecke im Ort Cabo de Gata.

Anfahrt:  Mit dem Bus: Stadtbus von Almería nach Retamar; oder von Almeria Busbahnhof nach Cabo de Gata (Start in Cabo de Gata: Beginnen Sie die Tour mit dem Rückweg (>> hier) und nehmen die folgende Beschreibung für Ihren Rückweg. Mit dem Auto: Abzweig von der Straße Almería – Cabo de Gata, dort der Ausschilderung Retamar Sur folgen, bis die Straße den Strand erreicht.

Übernachtung:
In Almería oder Cabo de Gata, dort z.B. **Hotel Blanca Brisa, Tel. 950 37 00 01.

Wanderkarte: Von Retamar nach Cabo de Gata, Naturpark Cabo de Gata, Andalusien

Wir beginnen unsere Wanderung am südlichen Ende der Strandpromenade des Ferienorts Retamar östlich von Almeria. Hier gehen wir in die am Ende Strandpromenade beginnende Schotterpiste, die – wie ein Schild verrät – zur Ermita de Torre Garcia führt und parallel zur Küste verläuft. Kurz nach Beginn taucht genau vor uns das erste Zwischenziel dieser Tour auf, der Torre Garcia.

Ermita de la Virgen del Mar, Retamar, Cabo de Gata, Andalusien
Die Ermita de la Virgen del Mar bei Retamar. Foto: Jürgen Paeger

Später taucht dann noch ein zweites Gebäude im Sichtfeld auf, die an ihrer Kuppel erkennbare Ermita de la Virgen del Mar. Gut eine Viertelstunde nach dem Start kommen wir dort an. Am alten Wachturm finden wir eine Inschrift (“El 21 de diciembre de 1502 ...”), die daran erinnert, dass an jenem 21. Dezember 1502 der damalige Ausguck, ein Andrés de Juan, hier eine angespülte Statue der Virgen del Mar fand, die bald darauf zur Schutzheiligen der Stadt Almería wurde. Wer nicht an ein Wunder glaubt, mag vermuten, dass diese von einem katalanischen (aufgrund des Stils der Figur) Schiff stammt, dass in der Bucht von Almería von berberischen Piraten überfallen wurde.

Vom Turm aus erkennen wir ein eingezäuntes Gelände – hier können wir die Reste einer römischen Anlage sehen, in der aus eingesalzenen Fischen die berühmte Fischsauce Garum hergestellt wurde – die Römer hielten sich einst im Cabo de Gata auf, um wertvolle Erze abzubauen, es gab hier Eisen, Kupfer und Gold.

Ziziphus lotus
Ziziphus lotus im Frühjahr: Die Blätter treiben aus (die Pflanze verliert ihre Blätter im Winter). Foto: Jürgen Paeger

Ab hier, und in Richtung Inland, fällt botanisch interessierten Wanderern ein ungewöhnlicher Strauch, der über zwei Meter hoch werden kann: Es ist der an seinen dornigen, zickzackförmigen Zweigen erkennbare Ziziphus lotus. Diese in trockenen
Gegenden des Mittelmeerraums auf sandigen Böden vorkommende Art (die außer in Südspanien in Nordafrika und Arabien vorkommt) verliert im Winter ihre Blätter, durch sehr tief reichende Wurzeln kann sie auch im Sommer genügend Wasser finden. Sie blüht im Sommer, und ihre im Herbst reifenden Früchte wurden früher gegessen. Der Strauch bildet ein eigenes Ökosystem: In seinem Inneren sammelt sich Sand, so dass die Pflanzen sich im Laufe der Zeit eigene kleine Hügel schaffen, und von Wasser, das sie aus großer Tiefe fördern und verdunsten, profitieren andere Pflanzen. Die dichten und dornigen Zweige bieten vielen Tieren Schutz: Bis zu 50 Arten wurden in Beständen dieses Strauches gezählt. Auch ohne große Mühe sehen wir von Zeit zu Zeit Kaninchen, die sich hier verbergen.

Unser Weg folgt weiter der Schotterpiste, auf der wir nach ein paar Minuten an die Rambla de los Amoladeras gelangen. Nach links in der Rambla sehen wir einen kleinen steinernen Turm – dies ist ein Süßwasserbrunnen. Eigentlich soll er noch funktionieren, aber das Gefäß, mit dem man Wasser schöpfen kann, wird gerne entfernt, so dass man sich auf diese Quelle nicht verlassen kann.

Nachdem wir die Rambla überquert haben, verlassen wir den markierten Wanderweg – dieser verläuft auf dem küstennäher verlaufenden Weg. Wir gehen aber geradeaus weiter, denn tiefer im Inland sind die Chancen für Vogelsichtungen besser. Der Weg durchquert jetzt ein Vogelschutzgebiet (Reserva Ornitológica de Las Amolederas): Wir sollten nun den markierten Weg nicht mehr verlassen – die Steppenvögel sind Bodenbrüter, und ihre perfekt getarnten Eier kann man nur zu leicht übersehen oder für einen Stein halten und versehentlich zerstören. Hier können wir zum Beispiel den Wüstengimpel beobachten, ein kanariengroßer Vogel mit auffälligem roten (beim Männchen) oder orangem (beim Weibchen) Schnabel: Dieser in Nordafrika und Asien heimische Vogel hat sich seit den 1980er Jahren auch in Südostspanien angesiedelt. Sie brütet in der benachbarten Sierra de Alhamilla und in den Halbwüsten von Tabernas, und ist besonders im Winter hier im Gebiet in den frühen Morgenstunden in den Dünen leicht zu sehen.

Der Weg führt durch meist schon befestigte Dünen, rechts von uns liegt der Sandstrand Playa de las Amoladeras. Nach zehn Minuten auf diesem Weg macht dieser einen Knick nach links und gleich darauf wieder nach rechts (ein anderer Weg führt nach rechts zur Küste). Danach können wir einige Agaven am Weg betrachten, … Danach sehen wir links in einiger Entfernung einige besonders hohe Dünen – diese haben schon in Filmen arabische Wüsten dargestellt, auch einige Szenen von Lawrence von Arabien wurden seinerzeit hier gedreht. Bald (insgesamt eine knappe halbe Stunde von der Rambla de los Amoladeras) bemerken wir, dass sich die Vegetation ändert: Unter anderem Binsen zeigen Feuchtigkeit an. Diese stammt aus der Rambla de Morales, an die wir nun bald gelangen.

Rambla de Morales, Cabo de Gata, Andalusien
Die Rambla de Morales bietet Wasservögeln einen Lebensraum. Foto: Jürgen Paeger

Vor der Rambla de Morales biegt der Weg nach links ab, wir folgen jetzt der Rambla solange, bis wir sie trockenen Fußes überqueren können. Diese Stelle kommt üblicherweise nach etwa 800 Metern, kann in feuchten Jahren aber unpassierbar und nicht zu erkennen sein – dann gibt es 200 Meter weiter eine weitere Furt. Diese erkennen wir daran, dass nach dem Verlassen der Rambla eine Ruine links des Weges steht – wenn wir diese sehen, folgen wir an der Stelle, an der drei Wege abgehen, dem Weg, der rechts entlang der Rambla zurückführt, bis wir den eigentlichen Weg aus dem Wasser führen sehen. Jetzt gehen wir nach links, dem Weg folgend. (Wenn wir die Rambla an der „richtigen“ Stelle überqueren konnten, sehen wir keine Ruine – wir folgen einfach dem Weg geradeaus weiter.)

Auf diesem Weg überqueren wir einen kreuzenden Weg, unser Weg führt weiter, vorbei an einem Transformatorenhäuschen und bringt uns dann vorbei an einer Meerwasserentsalzungsanlage und einem Palmenhain kurz vor dem Ort nach Cabo de Gata. Hier gehen wir nach rechts an die Strandpromenade, wo wir einige Fischrestaurants finden, in denen wir uns stärken können.

Den Rückweg können wir entweder auf dem markierten, strandnahen Wanderweg oder gleich ganz auf dem Sandstrand zurücklegen: Der gesamte Küstenabschnitt zwischen Cabo de Gata und Retamar ist ein einziger riesiger Sandstrand.

Weitere Tourenbeschreibungen in diesem Gebiet:

>> Wanderung: Von der Cala de San Pedro zur Cala del Plomo
>> Wanderung: Von Agua Amarga zur Cala del Plomo

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>> Wanderungen im Cabo de Gata

© Jürgen Paeger 2008

 


Die schönsten Wanderungen in Andalusien finden Sie in dem Wanderführer:

Titelbild Wanderführer Andalusien (Jürgen Paeger, DuMont Reiseverlag)